„Ich schreibe anders als ich rede, ich rede anders als ich denke, ich denke anders als ich denken soll und so geht es weiter bis ins tiefste Dunkel.“
(Franz Kafka, 10. Juli 1914 in einem Brief an seine Schwester Ottla)

Günter Grass, die Presse und der Kampagnenvorwurf

Günter Grass

(c) nimkenja / pixelio.de

Jetzt hat sich der Grass also noch einmal zu Wort gemeldet und die Interpretation seines Gedichts gleich zugereicht. Er hat sich dazu als Plattform die Tagesthemen, genauer den Sprecher Tom Buhrow gewählt, der ihn kritisch zu seinem Verhältnis zu Israel, dem Iran und dem immerzu schwelenden Nahost-Konflikt interviewt hat. Das ganze Interview kann auch online angesehen werden und wenn sich ein Nobelpreisträger zu Wort meldet, kann es nicht schaden, sich das anzusehen: Klick!

Die Pressewelt hat es schnell geschafft, dieses Gedicht auszuinterpretieren. Ergebnis: Es ist wohl doch eine milde, vielleicht greise Form des Antisemitismus. Die “Milde” scheint aber allmählich aus den neueren Artikeln zu schwinden – seitdem der Vorwurf der “Kampagne” der Presse im Raum steht. Da werden die Journalisten gerne etwas dünnhäutig – aber nicht eben gewichtiger.

Grass sollte sein eigenes Gedicht nicht interpretieren. Es wirbelt Staub auf, man wird sehen, was übrig bleibt, wenn er verfliegt. Dafür ist Lyrik. Also: Original lesen und nachdenken.

- den Vorwurf eines unreflektierten Antisemitismus finde ich aber zu schnell, zu einfach und daher auch zu blöde. Die Nutzung des Lexems “gleichgeschaltet” übrigens ebenso ;-)